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Corona aktuell

Welche Hilfen jetzt noch möglich sind

Der Staat unterstützt Unternehmen, die durch die Coronavirus-Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind, mit einer Vielzahl von Maßnahmen. Welche noch länger gelten und welche bald ablaufen, zeigt unser Überblick.

Um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie abzumildern, hat die Bundesregierung seit März 2020 eine Vielzahl von Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen aufgelegt. Diese reichen von finanziellen Soforthilfen über Notkredite der staatlichen KfW-Bank bis zu gesetzlichen Änderungen. Gut zu wissen: Einige Maßnahmen sind kürzlich neu hinzugekommen, andere verlängert worden.

Corona-Hilfsmaßnahmen – was jetzt noch gilt

  • Außerordentliche Wirtschaftshilfe (für November und Dezember 2020)

    Die außerordentliche Wirtschaftshilfe für die Monate November und Dezember 2020 ergänzt das Überbrückungsgeld II der Bundesregierung. Sie unterstützt Unternehmen, Betriebe, Selbstständige, Vereine und Einrichtungen, die von den Corona-Einschränkungen im November und Dezember 2020 direkt oder indirekt betroffen sind. Als indirekt betroffen gelten Unternehmen, die nachweislich und regelmäßig 80 Prozent ihrer Umsätze mit direkt von den Schließungsmaßnahmen betroffenen Unternehmen erzielen. Damit das Geld schnell bei den Betroffenen ankommt, werden seit Ende November Abschlagszahlungen gewährt.

     

    Pro Woche der Schließungen werden Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November beziehungsweise Dezember 2019 gewährt. Die Obergrenze beträgt 1 Million Euro, soweit der bestehende beihilferechtliche Spielraum des Unternehmens das zulässt. Für Fälle, in denen der durch die Kleinbeihilfenregelung und De-Minimis-Verordnung gegebene beihilferechtliche Rahmen von bis zu 1 Million Euro nicht ausreicht, soll zu einem späteren Zeitpunkt eine Antragstellung auf Grundlage eines anderen beihilferechtlichen Rahmens ermöglicht werden.

     

    Soloselbstständige können als Vergleichsumsatz alternativ zum wöchentlichen Umsatz im November 2019 beziehungsweise Dezember den durchschnittlichen Wochenumsatz im Jahre 2019 zugrunde legen. Bei Antragsberechtigten, die ihre Geschäftstätigkeit nach dem 31. Oktober 2019 aufgenommen haben, kann als Vergleichsumsatz der durchschnittliche Wochenumsatz im Oktober 2020 oder der durchschnittliche Wochenumsatz seit Gründung gewählt werden. Für Restaurants, die Speisen im Außerhausverkauf anbieten, gelten Sonderregelungen. Alle Details finden Sie hier.

     

    Anträge für die außerordentliche Wirtschaftshilfe müssen über die bundeseinheitliche IT-Plattform der Überbrückungshilfe durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer erfolgen. Ausnahme: Soloselbständige können die Hilfe bis zu einer Höhe von 5.000 Euro direkt beantragen, sofern sie bisher noch keinen Antrag auf Überbrückungshilfe gestellt haben. Zwingend erforderlich für die Authentifizierung im Direktantrag ist ein ELSTER-Zertifikat, das über das ELSTER-Portal beantragt werden muss.

  • Corona-Überbrückungshilfe (verlängert bis 30.06.2021)

    Kleine und mittelständische Unternehmen, Soloselbstständige und Freiberufler können noch bis zum 31. Januar 2021 rückwirkend die Corona-Überbrückungshilfe II des Bundes für die Monate September, Oktober und Dezember 2020 beantragen. Antragsberechtigt sind Unternehmen aller Größen, die mindestens eines der folgenden beiden Kriterien erfüllen (Ausnahmen sind unter bestimmten Umständen möglich):

    • Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent in zwei zusammenhängenden Monaten im Zeitraum April bis Dezember 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten (bei Unternehmen, die keinen Zugang zur November/Dezemberhilfe hatten auch für Unternehmen, die im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat einen Umsatzeinbruch von mindestens 40 Prozent erlitten haben).
    • Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Durchschnitt in den Monaten April bis Dezember 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

     

    Ab Januar 2021 wird diese staatliche Förderung in Form der Überbrückungshilfe III verlängert und erweitert. Verbesserungen gibt es unter anderem bei der Ansetzbarkeit von Ausgaben für die Instandhaltung, für Modernisierungsmaßnahmen und bei den Kosten für Abschreibungen. Anstelle von bislang maximal 50.000 Euro pro Monat sind künftig bis zu 200.000 Euro pro Monat Betriebskostenerstattung möglich. Die Überbrückungshilfe III wird zudem erhebliche Verbesserungen für Soloselbständige bringen. Betroffene, zum Beispiel aus dem Kunst- und Kulturbereich, sollen künftig als „Neustarthilfe“ eine einmalige Betriebskostenpauschale von bis zu 5.000 Euro für den Zeitraum bis Ende Juni 2021 als steuerbaren Zuschuss erhalten können.

     

    Unternehmen, die aufgrund der erneuten Schließungen im November beziehungsweise Dezember 2020 stark von Umsatzrückgängen betroffen sind, aber keinen Anspruch auf außerordentliche Wirtschaftshilfe haben, sind ebenfalls antragsberechtigt. Jene Unternehmen können die Überbrückungshilfe III für diese spezifischen Monate beantragen, wenn sie entweder im November oder im Dezember 2020 oder in beiden Monaten mindestens 40 Prozent Umsatzeinbußen gegenüber den Vorjahresmonaten November beziehungsweise Dezember 2019 zu verzeichnen haben.

     

    Anträge auf die Überbrückungshilfe III sollen einige Wochen nach Programmstart im neuen Jahr gestellt werden können.

    Auch weiterhin gibt es Förderangebote der Bundesländer. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

  • KfW-Sonderprogramm (verlängert bis 30.06.2021)

    Noch bis zum 30.06.2021 können Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler, die durch die Coronavirus-Pandemie in finanzielle Schieflage geraten sind, Kredite aus der KfW-Corona-Hilfe beantragen. Folgende Kredite stehen zur Auswahl:

     

    Die Antragstellung erfolgt in allen Fällen bei der Hausbank. Die Postbank bietet Geschäftskunden auf ihrer Homepage die Möglichkeit, unverbindlich den ihnen durch die Coronavirus-Krise entstandenen Liquiditäts- beziehungsweise Kapitalbedarf zu ermitteln. Dafür steht als unverbindliches Serviceangebot ein praktischer Finanzierungsbedarfsrechner zum Download bereit. Des Weiteren können Interessenten mit dem Postbank Finanzierungs-Kompass anhand weniger Angaben den zu ihrem Finanzierungsbedarf passenden Förderkredit aus dem KfW-Sonderprogramm 2020 identifizieren und online ihre Kreditanfrage stellen.

     

    Postbank Geschäftskunden erhalten persönliche Beratung zu den Themen Finanzierung, Zahlungsverkehr, Vorsorge und Geldanlage telefonisch im Postbank Geschäftskunden Beratungscenter. Sie erreichen uns Montag bis Samstag von 8.00 bis 21.00 Uhr unter 0228 5500 4400. Auf Wunsch können Sie auch online einen Rückruf vereinbaren.

     

    Als Postbank Firmenkunde wenden Sie sich bei allen Fragen bitte direkt an Ihren Firmenkundenbetreuer.

  • Erweiterte Bürgschaften (verlängert bis 30.06.2021)

    Die Bürgschaftsbanken haben im Zuge der Coronavirus-Pandemie ihre Unterstützung für Unternehmen erweitert. In diesem Rahmen wurden folgende Maßnahmen beschlossen:

    • die Anhebung der Bürgschaftsobergrenze auf 2,5 Millionen Euro (bisher 1,25 Millionen Euro),
    • eine höhere Risikoübernahme des Bundes durch Erhöhung der Rückbürgschaft sowie
    • verschiedene Maßnahmen zur Beschleunigung der Entscheidungen.

    Die Maßnahmen sollen branchenübergreifend alle gewerblichen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie die freien Berufe unterstützen. Sofern zur Überbrückung der Coronavirus-Krise Liquiditätshilfen zum Beispiel von der KfW oder den Landesförderinstituten notwendig werden, können die Bürgschaftsbanken diese in Verbindung mit einer Hausbankfinanzierung ermöglichen.

  • Erweiterte Exportkreditgarantien (bis 30.06.2021)

    Befristet bis zum 30. Juni 2021 können Exportgeschäfte mit kurzfristigen Zahlungsfristen (bis 24 Monate) auch innerhalb der EU und in bestimmten OECD-Ländern mit staatlichen Exportkreditgarantien des Bundes abgesichert werden. Damit sollen mögliche Engpässe im privaten Exportkreditversicherungsmarkt aufgefangen werden. Begünstigte Länder sind neben den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auch Australien, Island, Japan, Kanada, Neuseeland, Norwegen, die Schweiz, die USA und das Vereinigte Königreich. Die Ausnahmeregelung galt ursprünglich nur bis 31. Dezember 2020. Sie wurde am 13. Oktober 2020 verlängert.

  • Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes (verlängert bis 30.09.2021)

    Der WSF stellt Unternehmen branchenübergreifend Hilfen zur Stärkung ihrer Kapitalbasis und zur Überwindung von Liquiditätsengpässen bereit. Der Fonds hat ein Gesamtvolumen von bis zu 600 Milliarden Euro.  Der WSF richtet sich an große Unternehmen und sieht zwei Stabilisierungsinstrumente vor (kombinierte Anwendung möglich):

    • Garantien des Bundes zur Absicherung von Bankkrediten und Kapitalmarktprodukten im Fremdkapitalbereich (befristet bis 30.06.2021). Diese sollen die Refinanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen auf dem Finanzmarkt verbessern. Seit dem 21. Oktober 2020 gibt es ergänzend das Instrument „Garantien für Anleihen“.
    • Rekapitalisierungen bis zu 100 Milliarden Euro (Erwerb von nachrangigen Schuldtiteln, Hybridanleihen, Genussrechten, stillen Beteiligungen, Wandelanleihen) oder Erwerb von Anteilen an Unternehmen und die Übernahme sonstiger Bestandteile des Eigenkapitals dieser Unternehmen (befristet bis 30.09.2021).

    Erster Ansprechpartner für Unternehmen, die eine Unterstützung durch den WSF in Anspruch nehmen möchten, ist das Bundeswirtschaftsministerium.

  • Aussetzung der Insolvenzantragspflicht (bis 31.12.2020)

    Kann eine Kapitalgesellschaft ihre Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht bedienen, ist der Geschäftsführer normalerweise verpflichtet, innerhalb von drei Wochen den Antrag auf Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht einzureichen. Diese Insolvenzantragspflicht ist noch bis zum 31. Dezember 2020 unter bestimmten Bedingungen ausgesetzt. Damit soll vermieden werden, dass ein Unternehmen allein deshalb einen Insolvenzantrag stellen muss, weil sein Antrag auf öffentliche Hilfen noch nicht bearbeitet wurde oder weil Finanzierungsverhandlungen aufgrund der Corona-Krise noch nicht zum Erfolg geführt haben.

     

    Seit dem 1. Oktober 2020 gilt die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nur noch für den Insolvenzgrund Überschuldung. Unternehmen, die zahlungsunfähig sind, müssen seitdem wieder Insolvenz beantragen. Als überschuldet gilt ein Unternehmen, wenn sein Vermögen nicht ausreicht, um seine Verbindlichkeiten zu decken. Die Überschuldung des Unternehmens muss nachweislich eine Folge der Coronavirus-Pandemie sein. Dabei gilt: War der Schuldner am 31. Dezember 2019 noch nicht überschuldet, wird vermutet, dass die Insolvenzreife auf den Auswirkungen der Pandemie beruht. Im Zweifel sollten Unternehmer sich hier mit ihrem Rechtsanwalt oder einem Steuerexperten beraten. Alle weiteren Regelungen finden Sie hier. Die Bundesregierung ist grundsätzlich ermächtigt, die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum 31. März 2021 zu verlängern.

  • Ausbildungsförderung für Unternehmen (Ausbildungsjahr 2020/2021)

    Die Bundesregierung hat am 24. Juni 2020 das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern” auf den Weg gebracht. Damit sollen kleine und mittelständische Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten, die schwer von der Coronavirus-Pandemie betroffen sind, bei der Aufrechterhaltung ihres Ausbildungsangebotes unterstützt werden. Die Förderung beträgt 2.000 Euro für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Für jeden über das frühere Ausbildungsniveau hinaus zusätzlich für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag erhält das Unternehmen eine Prämie in Höhe von 3.000 Euro. Zudem gibt es Förderungen für die Vermeidung von Kurzarbeit während der Ausbildung, für die stärkere Nutzung von Verbund- oder Auftragsausbildung für Auszubildende, die ihre Ausbildung bedingt durch die Coronavirus-Krise temporär nicht im eigenen Betrieb weiterführen können, sowie eine Übernahmeprämie für die Weiterführung von Ausbildungsverhältnissen bei pandemiebedingter Insolvenz eines Ausbildungsbetriebs. Es werden Ausbildungsverhältnisse gefördert, die im Zeitraum vom 1. August 2020 bis 15. Februar 2021 beginnen. Die Antragstellung erfolgt bei der Bundesagentur für Arbeit.

  • Steuerliche Erleichterungen

    Im Rahmen des ersten und zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes wurde eine Vielzahl steuerlicher Maßnahmen beschlossen, die kürzlich ergänzt wurden (Auswahl):

    • Die Abgabefrist für das Kalenderjahr 2019 für durch Steuerberater erstellte Steuererklärungen wurde um einen Monat bis zum 31.3.2021 verlängert.
    • Steuerpflichtige, die durch die Corona-Krise unmittelbar und „nicht unerheblich“ negativ wirtschaftlich betroffen sind, können bei ihrem Finanzamt – wie bereits seit dem 19. März 2020 – nun bis zum 31. März 2021 einen Antrag auf (Anschluss-)Stundung aller Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis im Rahmen eines vereinfachten Verfahrens stellen. Die Stundungen laufen dann längstens bis zum 30. Juni 2021.
    • Der steuerliche Verlustrücktrag wurde für die Jahre 2020 und 2021 auf 5 Millionen Euro beziehungsweise 10 Millionen Euro (bei Zusammenveranlagung) angehoben.
    • Für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die in den Jahren 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt werden,wurde die degressive Abschreibung (wieder) eingeführt. Sie beträgt 25 Prozent, höchstens das 2,5-Fache der linearen Abschreibung.

     

    Eine aktuelle Übersicht über alle steuerlichen Änderungen gibt es beim Bundesfinanzministerium.

Der Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 15.12.2020

  • Bildnachweise

    Aufmachervideo: iStockphoto (riccardokolp)

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